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Große internationale Publikationen unter der Leitung Wiener Ärzte zu neuartiger Behandlung aggressiver Lungenkrebs-Varianten

16.06.2026

Zwei internationale Studien unter maßgeblicher Beteiligung des Karl Landsteiner Instituts für Lungenforschung und pneumologische Onkologie an der Klinik Floridsdorf zeigen neue Therapieoptionen für Patient:innen mit seltenen molekularen Formen des Lungenkrebses. Die Arbeiten wurden im Journal of Thoracic Oncology sowie im New England Journal of Medicine veröffentlicht und liefern wichtige Erkenntnisse für die personalisierte Behandlung aggressiver Tumorvarianten.

Die beiden Forschungsarbeiten befassen sich mit gezielten Therapien für seltene genetische Veränderungen bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs und zeigen, wie molekulare Diagnostik und internationale klinische Forschung die Behandlungsmöglichkeiten für Patient:innen verbessern können.

Neue Therapieoption bei HER2-mutiertem Lungenkrebs

Im Mittelpunkt der ersten Studie steht das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom mit einer HER2-Mutation. Diese seltene genetische Veränderung ist häufig mit einem ungünstigen Krankheitsverlauf verbunden.

Untersucht wurde der Einsatz von Trastuzumab Deruxtecan, einem modernen Antikörper-Wirkstoff-Konjugat, das eine zielgerichtete Antikörpertherapie mit einem zytotoxischen Wirkstoff kombiniert. Dadurch werden Tumorzellen gezielt erkannt und behandelt, während gesundes Gewebe möglichst geschont wird.

Die internationale Real-World-Studie umfasste 168 Patient:innen aus 68 Zentren und wurde federführend von Dr. Oliver Illini und Dr. Maximilian Hochmair von der Abteilung für Innere Medizin und Pneumologie der Klinik Floridsdorf sowie dem Karl Landsteiner Institut für Lungenforschung und pneumologische Onkologie geleitet.

Die Ergebnisse zeigen eine hohe klinische Wirksamkeit: Bei mehr als der Hälfte der behandelten Patient:innen verkleinerte sich der Tumor messbar, während die Erkrankung bei nahezu 90 Prozent zumindest vorübergehend stabilisiert werden konnte. Besonders bemerkenswert war der Behandlungserfolg auch bei Patient:innen mit Hirnmetastasen, für die bisher nur eingeschränkte Therapieoptionen zur Verfügung standen.

„Unsere Daten zeigen, dass Trastuzumab Deruxtecan auch unter Alltagsbedingungen eine sehr relevante Wirksamkeit entfaltet – selbst bei Patient:innen mit fortgeschrittener Erkrankung“, erklärt Dr. Oliver Illini. „Gerade für diese seltene Tumorbiologie stellt das einen wichtigen Fortschritt dar.“

Deutlich geringeres Rückfallrisiko bei RET-Fusion

Die zweite Studie wurde beim Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) präsentiert und zeitgleich im New England Journal of Medicine veröffentlicht. Sie untersuchte Patient:innen mit einer seltenen RET-Fusion, einer weiteren molekularen Veränderung bei Lungenkrebs. Dr. Maximilian Hochmair war an dieser Studie als Zweitautor beteiligt.

Die Ergebnisse zeigen, dass die zielgerichtete Therapie mit Selpercatinib das Rückfallrisiko nach einer Operation deutlich senken kann. Patient:innen unter der Behandlung blieben wesentlich häufiger krebsfrei als jene ohne aktive Erhaltungstherapie. Das Risiko eines Krankheitsrückfalls war um mehr als vier Fünftel reduziert.

„Die Ergebnisse zeigen, dass zielgerichtete Therapien das Rückfallrisiko auch im Frühstadium deutlich senken können. Entscheidend dafür ist eine präzise molekulare Diagnostik, denn sie ermöglicht es, für jede Patientin und jeden Patienten die passende Therapie auszuwählen. Gleichzeitig machen diese Daten deutlich, wie zentral klinische Forschung für die Versorgung ist: Erst durch internationale Studien und die systematische Auswertung von Erfahrungen aus dem klinischen Alltag wird sichtbar, welche Behandlungen tatsächlich wirken – und wer besonders davon profitiert“, fasst Dr. Maximilian Hochmair zusammen.

Personalisierte Therapie verbessert Behandlungsmöglichkeiten

Die beiden Studien unterstreichen die Bedeutung einer individualisierten Krebstherapie. Sowohl bei fortgeschrittener Erkrankung als auch nach einer Operation eröffnen sich neue Behandlungsmöglichkeiten, die eine bessere Krankheitskontrolle, ein geringeres Rückfallrisiko und längere Phasen ohne Fortschreiten der Erkrankung ermöglichen.

Mit der Veröffentlichung im New England Journal of Medicine werden die an der Klinik Floridsdorf gewonnenen Erkenntnisse einem internationalen Fachpublikum zugänglich gemacht und können damit rasch in die klinische Praxis einfließen.

Kontakt

Pressesprecher Karl Landsteiner Institut für Lungenforschung und pneumologische Onkologie
David Rosenthaler, BEd
Telefon: 01 27700 5634
E-Mail: david.rosenthaler@extern.gesundheitsverbund.at
Website: www.lungenforschung.at

Pressesprecherin Wiener Gesundheitsverbund
Birgit Wachet
Telefon: 0664 1507255
E-Mail: brigit.wachet@gesundheitsverbund.at
Website: www.gesundheitsverbund.at