Industriestrategie 2035: 35 Prozent der Maßnahmen bereits umgesetzt oder in Umsetzung
Sechs Monate nach dem Start der Industriestrategie 2035 zieht die Bundesregierung eine erste Zwischenbilanz: 42 der insgesamt 117 Maßnahmen – mehr als 35 Prozent – sind bereits umgesetzt oder befinden sich in Umsetzung. Zu den aktuellen Schwerpunkten zählen das Schlüsseltechnologie-Beschleunigungsgesetz, ein neues Förderprogramm für Pilotanlagen und Innovationsinfrastrukturen, die Beschaffung eines KI-Hochleistungsrechners sowie die Reform des Patentrechts.
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer betonte, dass die Industriestrategie nicht nur eine Standortvision, sondern vor allem ein konkretes Umsetzungsprogramm sei. Ziel sei es, Österreich mit neun definierten Schlüsseltechnologien wieder unter die Top 10 der Industrienationen zu führen.
Innovationsminister Peter Hanke verwies auf zentrale Zukunftsprojekte wie die Patentrechtsnovelle, automatisiertes Fahren sowie den KI-Hochleistungsrechner der AI Factory Austria. Im zweiten Halbjahr sollen weitere Maßnahmen unter anderem in den Bereichen Innovation Challenges, emissionsfreie Infrastruktur und Mobilität umgesetzt werden. Staatssekretär Sepp Schellhorn hob die Bedeutung des Bürokratieabbaus hervor, damit Unternehmen mehr Zeit für Innovationen, Investitionen und Wachstum aufwenden können.
Schlüsseltechnologie-Beschleunigungsgesetz geht in Begutachtung
Mit 16. Juni 2026 wurde der erste Teil des Schlüsseltechnologie-Beschleunigungsgesetzes in Begutachtung geschickt. Zunächst umfasst das Gesetz den Bereich der Energie- und Umwelttechnologien und soll Genehmigungsverfahren für Produktionsanlagen deutlich beschleunigen.
Unternehmen mit dem Status eines „strategischen Projekts“ profitieren künftig von beschleunigten Verfahren, einer Entscheidung innerhalb von 30 Tagen sowie der Einstufung als Vorhaben von überragendem öffentlichem Interesse. Zusätzlich werden in allen Bundesländern zentrale Anlaufstellen eingerichtet, die Unternehmen durch die Genehmigungsverfahren begleiten.
18 Millionen Euro für Pilotanlagen und Innovationsinfrastrukturen
Ebenfalls gestartet wurde der erste Fördercall des Impulsprogramms „Industrielle Schlüsseltechnologien – Leitbetriebe 2030“. Damit sollen Unternehmen den Übergang von Forschung und Entwicklung zur industriellen Produktion erleichtern.
Für den Fördercall stehen insgesamt 18 Millionen Euro zur Verfügung. Pro Projekt können bis zu drei Millionen Euro vergeben werden. Gefördert werden Investitionen zwischen einer und 50 Millionen Euro in Pilot-Produktionsanlagen sowie Innovationsinfrastrukturen wie Reinräume oder Laborinfrastruktur in den neun definierten Schlüsseltechnologiefeldern. Einreichungen sind bis Ende Oktober 2026 möglich.
Investitionen in Künstliche Intelligenz und Patentrecht
Im Rahmen der AI Factory Austria wird derzeit ein KI-optimierter Hochleistungsrechner mit einem Investitionsvolumen von 53 Millionen Euro beschafft. Die Inbetriebnahme ist für 2027 in Wien vorgesehen. Die neue Infrastruktur soll Forschung, Entwicklung und Anwendung künstlicher Intelligenz nachhaltig stärken.
Darüber hinaus befindet sich die Patentrechtsnovelle gemeinsam mit Änderungen des Unternehmensgesetzbuches auf der Zielgeraden. Künftig sollen insbesondere KMU und Start-ups selbst entwickelte Patente als bilanzierbare Vermögenswerte ausweisen können. Dadurch soll geistiges Eigentum besser wirtschaftlich nutzbar und der Zugang zu Finanzierungen erleichtert werden.
Bereits umgesetzte und laufende Maßnahmen
Zu den bereits umgesetzten Maßnahmen zählen unter anderem das neue aws-Förderprogramm für Pilotanlagen und Innovationsinfrastrukturen, die Seal-of-Excellence-Förderung, COMET-Module für Schlüsseltechnologien, die Halbierung der Elektrizitätsabgabe, die Verlängerung der Startup-Mitarbeiterbeteiligung, das neue Schulfach „Wirtschaft, Innovation & Nachhaltigkeit“, das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz sowie erweiterte Exportgarantien für den Wiederaufbau der Ukraine.
Weitere Maßnahmen befinden sich derzeit in Umsetzung. Dazu gehören unter anderem Programme für Quantentechnologien, Halbleiter, Wasserstoff, industrielle Transformation, automatisiertes Fahren, emissionsfreie Infrastruktur, strategische öffentliche Beschaffung, künstliche Intelligenz, Handelsabkommen, Digitalisierung der Verwaltung, Bürokratieabbau sowie der Aufbau eines Scale-up-Fonds mit bis zu 100 Millionen Euro staatlichem Ankerinvestment.
Ausblick auf das zweite Halbjahr 2026
Für das zweite Halbjahr plant die Bundesregierung unter anderem den Beschluss des Schlüsseltechnologie-Beschleunigungsgesetzes, des ERP-Fonds-Gesetzes, des Versorgungssicherungsgesetzes sowie des Sicherheitsexportgesetzes. Darüber hinaus sollen die Förderagenturen neu ausgerichtet, innovationsfördernde Beschaffungsstrategien weiterentwickelt, die Rot-Weiß-Rot-Karte reformiert sowie das Monitoring der Industriestrategie mit einem ersten Produktivitätsbericht gestartet werden.
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