Kardiologie trifft Onkologie: Kombinationstherapien erhöhen Überleben und Lebensqualität
Die enge Zusammenarbeit von Kardiologie und Onkologie kann die Überlebensrate und Lebensqualität von Krebspatient:innen deutlich verbessern. Im Mittelpunkt der ESC Cardio-Oncology-Konferenz 2026 stehen Strategien, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen während und nach einer Krebsbehandlung frühzeitig zu erkennen und gezielt zu behandeln.
Bis zu 30 Prozent aller Krebspatient:innen leiden bereits vor Beginn der Therapie an einer Herzerkrankung oder entwickeln im Verlauf der Behandlung kardiologische Komplikationen. Eine begleitende kardiologische Betreuung kann dazu beitragen, Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen, Krebstherapien sicher fortzuführen und langfristige Herzschäden zu vermeiden.
Die ESC Cardio-Oncology-Konferenz findet am 19. und 20. Juni 2026 im Austria Center Vienna statt und bringt internationale Expert:innen aus Kardiologie, Onkologie, Hämatologie und Strahlentherapie zusammen.
Steigende Überlebensraten machen Herzgesundheit wichtiger
Dank moderner Krebstherapien überleben heute deutlich mehr Patient:innen ihre Erkrankung oder leben über viele Jahre mit einer chronischen Tumorerkrankung. Dadurch rücken mögliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Folge der Krebsbehandlung stärker in den Fokus.
Während oder nach einer Tumortherapie können unter anderem Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Myokarditis oder koronare Herzerkrankungen auftreten. Diese Komplikationen können sowohl während der Behandlung als auch Jahre später entstehen.
Früherkennung durch kardiologisches Screening
Das individuelle Herz-Kreislauf-Risiko lässt sich bereits vor Beginn einer Krebstherapie gut einschätzen. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen höheres Alter, Rauchen, frühere Krebserkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes sowie bereits bestehende Herzerkrankungen.
Zur Diagnostik kommen unter anderem EKG, Echokardiographie sowie Blutuntersuchungen mit Herzmarkern wie BNP und NT-proBNP zum Einsatz. Auch Computertomographien, die im Rahmen der Krebsdiagnostik erstellt werden, können Hinweise auf Verkalkungen der Herzkranzgefäße liefern.
Kombinationstherapien schützen das Herz
Werden Hinweise auf eine beginnende Herzschwäche festgestellt, kann frühzeitig eine begleitende kardiologische Therapie eingeleitet werden. Hierzu gehören unter anderem ACE-Hemmer beziehungsweise Angiotensin-Rezeptorblocker, Sacubitril/Valsartan, Betablocker sowie SGLT2-Inhibitoren.
Bei Anzeichen einer koronaren Herzerkrankung können ergänzende Untersuchungen mittels CT oder Herzkatheter erfolgen und gegebenenfalls Stents eingesetzt werden. Zusätzlich stehen spezielle Medikamente wie Dexrazoxan oder liposomale Anthrazykline zur Verfügung, um das Herz während bestimmter Chemotherapien besser zu schützen.
Je nach individueller Situation kann auch eine Anpassung der Krebstherapie oder die Wahl alternativer Behandlungsverfahren erforderlich sein.
Herzvorsorge auch nach erfolgreicher Krebstherapie
Auch nach Abschluss einer erfolgreichen Krebsbehandlung bleibt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Besonders Patient:innen, die bereits im Kindesalter hochdosierte Krebstherapien erhalten haben, sollten langfristig regelmäßig kardiologisch untersucht werden.
Empfohlen werden jährliche Vorsorgeuntersuchungen sowie Echokardiographien im Abstand von etwa fünf Jahren, um Herzschäden frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig behandeln zu können. Auch nach überstandenem Brustkrebs steigt das Risiko für Herzinsuffizienz, koronare Herzkrankheit oder Vorhofflimmern innerhalb weniger Jahre deutlich an.
Internationale Zusammenarbeit in der Kardio-Onkologie
Die ESC Cardio-Oncology-Konferenz bringt weltweit führende Expert:innen zusammen, um neue Strategien zur Verringerung kardiovaskulärer Risiken bei Krebspatient:innen zu entwickeln. Neben der European Society of Cardiology (ESC) beteiligen sich unter anderem die European Society for Medical Oncology (ESMO), die European Hematology Association (EHA), die European Society for Radiotherapy and Oncology (ESTRO) sowie die European Association of Cardiovascular Imaging (EACVI).
Kontakt
Mag. (FH) Claudia Reis, MA
Pressesprecherin Wissenschaft
Austria Center Vienna
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